Wie Adipositas die Psyche krank macht

Schon Marius Müller-Westernhagen besang die diskriminierende Denkweise vieler in Bezug auf übergewichtige Menschen

„Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung hat eine negative Meinung von adipösen Menschen. Die Überzeugung herrscht vor, sie seien faul, dumm, disziplinlos und selbst schuld an ihrem Übergewicht“, so war es einer gemeinsamen Studie der Abteilung für Medizinische Psychologie und Soziologie der Universitätsmedizin Leipzig und dem Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) zu entnehmen. Die Untersuchung sollte beleuchten, wie sich das Übergewicht auf die 1.158 adipösen und übergewichtigen Teilnehmer auswirkt.

Es käme wohl zu einer gesellschaftlichen Abwertung stark übergewichtiger Menschen. Mitunter ist sogar eine etwaige Stigmatisierung erkennbar. Das kann auf Betroffene starke Auswirkungen auf das Selbstbild und die Psyche haben. „Wenn das negative Fremdbild zum Selbstbild wird, benötigen diese Menschen psychotherapeutische Hilfe, um das schädliche Selbststigma zu überwinden. Auch in der Behandlung der Adipositas ist es wichtig, darauf zu achten und es nicht weiter zu vertiefen“, weiß die Studienleiterin Anja Hilbert zu berichten. Studienteilnehmer, die die negative Sichtweise anderer übernahmen und somit in ihre Selbstsicht integrierten, hatten weniger Selbstachtung und Selbstvertrauen. Dies führe vermehrt zu Ängsten und könne Depressionen nach sich ziehen.

Adipositas entgegenwirken

Für übergewichtige Menschen ist es oftmals äußerst schwer, aus ihrer Situation heraus zu kommen. Denn meistens reicht es nicht aus, nur die Ernährung umzustellen, obwohl dies allein schon eine große Heerausforderung darstellt. Das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) berichtet nämlich, dass neben der Ernährung auch das Bewegungsverhalten umgestellt werden muss, um dauerhaft abzunehmen. Kurzfristig würden kohlenhydratarme Diäten den schnellsten Erfolg bringen. Längerfristig wirke allerdings eine Fettreduzierte Diät besser. Studien zu Folge empfehle man unabhängig von der Diätform regelmäßige körperliche Betätigung, eine eher fettarme Ernährung, viel Obst und Gemüse, sowie regelmäßige Selbstkontrolle und kontinuierliches Verhaltenstraining.

Da leuchtet es schon ein, dass eine dauerhafte Veränderung der eigenen Situation für Menschen mit Adipositas nicht leicht erscheint. Zumal das Selbstempfinden auch maßgeblich leidet. Hilbert wies darauf hin, dass gemäß ihrer Studie Übergewichtige häufiger zum Arzt gehen. „Dies scheint auf den als schlechter wahrgenommenen Gesundheitszustand und die Annahme, dass man selbst nicht wirklich etwas verändern kann, zurückzugehen, also auf die sogenannte verminderte Selbstwirksamkeit“, schlussfolgern die Wissenschaftler aus Leipzig. Wer sich unwohl und kränklich fühlt, hat natürlich noch weniger Energie und Motivation, eine großräumige Veränderung zu beginnen. Dennoch sollte niemand gleich die Flinte ins Korn werfen. Professionelle ärztliche Unterstützung kann den Weg aus der Adipositas ebnen.

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