Placebo-Effekt funktioniert auch mit Schlaf

Jeder weiß, herausgeschobene Erwartung macht krank – aber auch der Umkehrschluss ist korrekt: Die eigene Erwartung kann gesund machen

Allseits bekannt ist die Wirkung von Placebos. Wenn Ärzte oder Therapeuten nicht die Wahrheit über das Medikament sagen, kann beispielsweise eine Zuckerpille eine heilende Wirkung haben. Woran liegt das? Sobald ein Patient bei der Einnahme eines Placebos erwartet, dass es hilft, so werden im Körper schmerzstillende Hormone freigesetzt. Besonders gut funktioniert das, wenn der Arzt dabei auf den Patienten eingeht, indem er ihm vielleicht Mut zuspricht. Bemerkenswerterweise kann dieser Vorgang im Gehirn auch noch andere Auswirkungen auf das Gemüt haben.

Kürzlich wurde im Journal of Experimental Psychology online von einem Versuch von Psychologen des Colorado College berichtet. An der Studie nahmen 164 Probanden teil. Als Ergebnis fand man heraus, dass man sich sogar einbilden kann, wach und konzentriert zu sein. Demnach hat die eigene Einbildung oder Vorstellung einen weit größeren Einfluss auf die eigene Leistungsfähigkeit, als man vielleicht dachte.

Scheinarzneimittel

Im engeren Sinn handelt es sich bei einem Placebo um ein Scheinarzneimittel, welches aufgrund fehlender Inhaltsstoffe keine pharmakologische Wirkung verursachen kann. Im erweiterten Sinn wird jedoch  jede Scheinbehandlung als Placebo bezeichnet. Dazu könnten zum Beispiel auch vorgetäuschte Operationen oder vorgetäuschte Akupunktur gehören. Man kann aber ebenso von einer Placebowirkung sprechen, da psychosoziale Faktoren als Wirkung des Kontextes der Placebogabe etwas auslösen.

Erwartungshaltung

Zu solchen Faktoren gehören Suggestion oder die Erwartungshaltung des Patienten. Schon sehr früh in der Geschichte bedienten sich Ärzte einer „medizinischen Lüge“ um etwa einem schwer kranken Patienten durch Worte das Gefühl zu vermitteln, er habe gute Heilungsaussichten und seine Krankheit sei weit weniger schlimm als er annehme. Bereits der griechische Philosoph Platon erwähnte vor rund 2.400 Jahren den Placeboeffekt als Folge dass Kranke durch Besprechen behandelt werden können.

Konditionierung

Wie eine repräsentative Studie aus New York von 1970 bereits bewies, kann die Erwartung des Patienten unter bestimmten Umständen den Placeboeffekt so stark unterstützen, dass er eine chemische Wirkung nicht nur aufheben sondern sogar umkehren kann. Martina Amanzio und Fabrizio Benedetti (Zentrum für die Neurophysiologie von Schmerz an der Universität von Turin, Italien) konnten in einer komplexen Versuchsreihe detailliert nachweisen, dass ein schmerzreduzierender Placeboeffekt sowohl durch eine kognitiv induzierte Erwartungshaltung, als auch durch klassische Konditionierung ausgelöst werden kann. Bei der Konditionierung wird dem Patienten eine Zeit lang das schmerzlindernde Medikament gegeben, aber bald ohne dessen Wissen gegen ein Placebo ausgetauscht.

Placebowirkung wegen der Einstellung

Wir wären also wieder mal bei der Einstellung. Warum erzielen Placebos eine positive Wirkung? Wegen der positiven Einstellung. Wenn man eine Heilung erwartet und von einer Besserung ausgeht, kann man im Körper tatsächlich heilende Prozesse einleiten. Wer also positiv eingestellt ist und bleibt, lebt oft gesünder und vor allem glücklicher!

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