Schluckauf oder Hickser – was steckt dahinter?

Er ist nicht lebensbedrohlich, aber störend. In einer Gruppe von Menschen kann es auch recht peinlich werden, wenn er auftritt. Leider weiß niemand so hundert prozentig genau, was für einen Zweck er verfolgt. Gemeint ist: der Schluckauf. Welche Ursachen kann der lästige ‚Hickser‘ haben? Und noch viel wichtiger: Wie wird man ihn wieder los?

Entstehung von Schluckauf

Die Mythologie erklärt ihn damit, dass jemand an den Hicksenden denkt. Anatomisch kann man wohl eher festhalten, dass das Zwerchfell durch kräftige, reflektorische und periodisch auftretende Kontraktionen Schuld daran ist. Es kommt zu einer maximalen Einatmung, während sich die Stimmritze (Glottis) verschließt. Aber warum kommt es dazu?

Vorübergehender Schluckauf

„Beim akuten Schluckauf weiß man zum Teil gar nicht, warum er ausgelöst wird“, erklärt Mario Prosiegel (Chefarzt der Abteilung Neurologie und Leiter des Zentrums für Schluckstörungen der m&i-Fachklinik Bad Heilbrunn). In den meisten Fällen kommt es zum Hicksen, weil der Magen überdehnt wurde. Hastiges Essen, Kohlensäure, kalte Getränke, scharfes Essen oder Alkoholgenuss können hier die eigentlichen Auslöser sein. Dieses Phänomen „ist aber eigentlich ohne Bedeutung und ungefährlich“, so Prosiegel weiter.

Chronischer Schluckauf

Erkrankungen können ursächlich für das langanhaltende Hicksen sein. Häufig handelt es sich um Erkrankungen des Magens. Dazu zählen ein subphrenischer Abszess (unter dem Zwerchfell liegend), Brustfellentzündung (Pleuritis), Magengeschwür (Ulcus ventricoli), Magenschleimhautentzündung (Gastritis), Reflux (gastroösophagealer), Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) und ähnliche.

Wie lang kann so etwas denn dauern?

Man kennt viele Auslöser für vorübergehenden aber auch für chronischen Schluckauf. Manchmal lässt sich aber überhaupt keine Ursache feststellen. Dann spricht man von einem idiopathischen Singultus. Ob man es glaubt oder nicht: angeblich soll Charles Osborne 68 Jahre lang an Schluckauf gelitten. Damit stellte er einen traurigen Weltrekord auf. Zwar fand man in seinem Fall kein Heilmittel, aber glücklicherweise ist es eher die Ausnahme, dass man jahrelang unter den Symptomen zu leiden hat.

Wie wird man ihn wieder los?

Den akuten kann man in der Tat mit ‚altbewährten Hausmitteln‘ wieder weg bekommen. Beispiel Luft anhalten: Durch längeres Anhalten der Luft steigt das Kohlenstoffdioxid in der Lunge an. Dadurch wird der Schluckauf tatsächlich gehemmt. Mitunter kann Ablenkung auch helfen. Was eher wenigen bekannt sein dürfte, ist Druckausübung auf beide Augäpfel. Dadurch kommt es nämlich zu einem Vagusreiz, der das Hicksen häufig stoppt.

Welchen anatomischen Sinn hat der Schluckauf?

Wie der Neurologe Prosiegel weiter erläutert, gibt es einen Sinn für Embryos. „Föten haben bereits im Mutterleib Atembewegungen. Wenn der Embryo massiv einatmet und sich zugleich die Glottis schließt, gelangt das Fruchtwasser nicht in die Lunge.“ Bei Erwachsenen hingegen kann man keinen medizinischen ‚Sinn‘ feststellen.

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