TSH-Wert: Den Menschen therapieren, nicht die Laborwerte

Für das hormonelle Gleichgewicht des menschlichen Körpers gibt es drei Hauptachsen: Schilddrüsenhormone, Sexualhormone und Nebennierenhormone.

Bei einem gesunden Menschen geht man davon aus, dass einem Gefühl auch stets ein Gedanke vorausgeht. Wer also lernt, seine Gedanken zu kontrollieren, könne auch in gewisser Hinsicht seine Gefühle kontrollieren. Schwierig wird es jedoch, wenn die Hormone nicht wie ‚normal‘ funktionieren. Denn Hormone sind die heimlichen ‚Strippenzieher‘ für unsere Gefühle. Darum ist es so wichtig, dass der Hormonhaushalt richtig funktioniert. Was man über den TSH-Wert wissen sollte.

Der einzuschlagende Behandlungsweg spaltet die Ärzteschaft. Daher ist Betroffenen zu raten, möglichst einen Spezialisten aufzusuchen. Es genügt nämlich nicht, lediglich den TSH-Wert zu behandeln. Der Patient benötigt eine Behandlung, nicht der Laborwert. „Für die Entscheidung, ob bereits im Graubereich behandelt wird, sollte das Gesamtbild eines Menschen und nicht nur sein TSH-Wert betrachtet werden“, erklärt Markus Luster (Hormonspezialist vom Universitätsklinikum Ulm).

Der TSH-Wert für sich allein ist eine unsichere Größe, da viele innere und äußere Einflussfaktoren auf ihn einwirken können. „Äußere Einflüsse, die den TSH-Wert verringern, können Erkrankungen der Hirnanhangsdrüse, Jodbelastungen, längeres Fasten und möglicherweise auch Kortison sein“, schildert Roland Bares (Schilddrüsenexperte von der Universitätsklinik Tübingen) die mögliche Ungenauigkeit dieses Wertes.

Daher hat sich das Vorgehen der Experten in den vergangenen Jahren auch angepasst. „Wurde früher nur eine ausgewachsene Schilddrüsenüberfunktion behandelt, so werden, seit entsprechende Studienergebnisse vorliegen, auch Patienten mit einer latenten Überfunktion therapiert“, sagt Bares.

Wie funktioniert der TSH-Wert eigentlich?

Die Schilddrüse wird von der Hirnanhangsdrüse kontrolliert. Die Hirnanhangsdrüse sendet also das Hormon TSH an die Schilddrüse. Dadurch wird der benötigte Bedarf an die Hormonen Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) gemeldet und gleichzeitig deren Abgabe stimuliert. Für das Steuerhormon TSH gibt es einen Normwert und darüber hinaus noch als normal anzusehende Werte. Aber mit dieser Varianz ist es eben so eine Sache.

In einer Studie um Christian Selmer von der Universitätsklinik Gentofte haben die Wissenschaftler herausgefunden, dass bereits bei noch als normal anzusehenden TSH-Werten Herzprobleme auftreten können.

In Bezug auf die Diagnose rät Bares: „Weitere Untersuchungen wie zum Beispiel Ultraschall oder eine Szintigrafie sollten deshalb vorab sicherstellen, dass wirklich die Schilddrüse selbst ein Problem hat.“

TSH (Thyreotropin): 0,3 – 4,0 mU/l

T3 (Trijodthyronin): 0,9 – 1,8 ng/ml

T4 (Tetrajodthyronin, auch: Thyroxin): 5,5 – 11,0 µg/dl

TRAK (TSH-Rezeptor-Antikörper): 9 – 14 U/l

TPO-Antikörper (Thyroidperoxidase): 100 – 200 U/l

Die Antikörper-Werte sind für die Diagnose von Hashimoto-Thyreoditis oder Morbus Basedow wichtig.

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