Das Immunsystem stärken – aber wie?

Der eine schwört auf Abhärtung, der andere auf eine ausgewogene Ernährung und wieder andere auf die Pille aus der Apotheke. Wie können sie das Immunsystem stärken?

Es wird so langsam kälter. Leider regnet es auch immer öfter. Der Sommer hat uns längst verlassen und der Herbst zeigt sein bekanntes Gesicht. Die ersten Erkältungen haben den Bekannten- und Freundeskreis bereits eingeholt. Höchste Zeit also, etwas für die eigenen Abwehrkräfte zu tun. Denn eine Erkältung kann schließlich niemand gebrauchen. Aber da gibt es ja eine Menge Ideen und angebliche Wundermittel, wie man das Immunsystem stärken könne. Mediziner erklären was wirklich hilft und was man lediglich als Placebo bezeichnen kann.

Lassen wir zunächst einmal die Mediziner zu Worte kommen. Was ist das Immunsystem und welche Aufgabe hat es? „Das Immunsystem besteht aus verschiedenen Zellen und löslichen Faktoren, die Krankheitserreger und Tumorzellen abwehren“, beschreibt Hajo Haase (Institut für Immunologie an der Uniklinik der RWTH Aachen) unser Immunsystem. „Immunzellen sind ein Abwehrmechanismus gegen alles Körperfremde“, erläutert Karsten Krüger (Institut für Sportwissenschaft an der Universität Gießen). Und ergänzt wird noch: „Das Immunsystem ist wie die Polizei, die Streife laufen muss.“ von Prof. Stefan Meuer (Direktor des Instituts für Immunologie an der Universität Heidelberg).

Wie kann man aber jetzt in Vorbereitung auf den regnerischen Herbst und den kalten Winter das Immunsystem stärken? Nackt in den kalten See springen? Häufige Saunagänge? Regelmäßig Molkedrinks konsumieren? Derzeit müssen die Experten einräumen, dass die Wissenschaft noch zu wenig davon verstehen, um einen gezielten Einfluss auf die körpereigene Abwehr zu nehmen. Unstrittig sei jedoch, dass die Ernährung eine Wirkung auf die Abwehrkräfte habe. Aber ein ‚Abhärten‘ habe keinen wissenschaftlich belegbaren positiven Effekt und könne somit auch nicht das Immunsystem stärken.

Alles in Allem gebe es wohl drei entscheidende Faktoren, die auf das Immunsystem wirken. Größtenteils können diese beeinflussenden Faktoren sogar von uns gesteuert werden. Der erste Faktor wurde bereits erwähnt. Es ist die ausgewogene Ernährung. Wer hierbei an Omas Hühnersuppe denkt, dem sei gesagt, dass diese nur einen äußerst kurzzeitig positiven Effekt haben kann. Der Körper bekommt Nährstoffe, Salz und Wärme. Der Körper braucht Kupfer, Eisen oder Vitamine wie A, C, D und E für ein funktionierendes Immunsystem.

Faktor zwei ist körperliche Bewegung. „Moderates Training – also Schwimmen, Radfahren oder Joggen – stärkt das Immunsystem unabhängig von Regen, Schnee oder Sonne“, sagt Sportmediziner Krüger. „Wir gehen davon aus, dass wir mit jedem Training das Immunsystem ein bisschen reizen und dadurch stimulieren. Dann funktioniert es besser.“, ergänzt Haase diesen Ansatz.

Faktor drei ist das neuzeitliche Dauerproblem und Auslöser einer Vielzahl an Zivilisationskrankheiten: Stress. Die Psyche hat einen nicht zu unterschätzenden Effekt auf die Immunabwehr. Bei dauerhaft anhaltendem Stress schütte der Körper vermehrt Kortisol aus. Dieses wiederum unterdrückt das Immunsystem. „Psychisches Wohlbefinden ist deshalb sehr wichtig.“, schlussfolgert Meuer.

Also kann man, zumindest bis zu einem gewissen Grad, drei wesentliche Faktoren für eine gute oder schlechte Abwehr selber beeinflussen und somit das Immunsystem stärken. Am besten noch, bevor der Winter kommt!

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